Pressestimmen

Presse: Ein ganz gewöhnlicher Jude
Presse: Bist du Deutschland?


Presse: Ein ganz gewöhnlicher Jude

…das Stück zeigt beispielhaft was es heißt in einer geschichtslosen Zeit zu leben, in der die Menschen nicht mehr wissen warum die Dinge so geworden sind wie sie sind
… eindrucksvoll ist sie, diese Vorstellung von einem ganz realen Menschen, der Emotion, Widersprüche und subtile Reflexion vor unseren Augen entfaltet.
Kölner Rundschau 14.05.09

Goldfarb hat mit der Nazizeit so viel und so wenig zu tun wie gleichaltrige Deutsche oder die Schüler...Die Botschaft kommt an: gutmenschelnde deutsche Klezmer-Party Besucher brauche man als Jude in Deutschland fast so wenig wie Neonazis. Für beide Gruppen sei man doch nur exotisch wie ein Nashorn im Zoo.
Kölner Stadtanzeiger 14.05.09

Wenn Andreas Schmid alias Emanuel Goldfarb die Bühne betritt ist schnell klar, dass der Schweizer Stückeschreiber Lewinsky keine unreflektiert-bösartigen Jugendlichen im Visier hatte- gerade die eben nicht. Nein, er hatte die Wohlmeinenden, die politisch Korrekten im Sinn: "Die, die morgens nach dem Aufwachen erstmal zehn Minuten solidarisch sind, bevor sie sich die Zähne putzen".
…Goldfarb-Mime Andreas Schmid umschifft klugerweise die Betroffenheitsklippe, sein Goldfarb ist wütend, mitunter traurig, aber eines Gott sei Dank nicht: larmoyant.
Akt Köln 06/2009

Die Produktion ist perfekt auf den Bedarf der Schulen ausgerichtet. Der pädagogische Ansatz ergibt sich aus dem Spiel des Darstellers. Da gibt es keinen Zeigefinger, keine aufgesetzte Moral. Eins wird klar. Toleranz im Umgang miteinander ist unabdingbar. Schultheater allererster Güte.
Theater Pur 06/2009

…ganz nah präsentiert Andreas Schmid inmitten einer Schülerrunde den ganz gewöhnlichen Juden. Der will Deutscher unter Deutschen sein, kann es aber nicht sein, weil er immer wieder als Stellvertreter eines verfolgten Volkes entweder mit Samthandschuhen angefasst oder beschimpft wird. Mit diesem Menschen, der so offen über eigene bedrückende Erlebnisse erzählt, identifizieren sich vor allem Jugendliche mit Einwanderungsfamiliengeschichte schnell.
Da kommen dann Fragen: Wer ist denn in Deutschland ein Ausländer? Was bedeutet denn das, Türke in Deutschland zu sein? Für Jugendliche wird spürbar, dass auch ihnen - wie dem Juden Goldfarb - seit Jahren ein Rollenverhalten aufgedrängt wird. Sie wollen nicht "Türke" oder "Russe" sein. Deutsch sein, das soll Vielgestaltigkeit bedeuten, ein türkisches Deutschsein, ein russisches Deutschsein. Dass dazu auch Juden in Deutschland gehören, das können sie verstehen. Ein ermutigender Ansatz.
Kölner Stadtanzeiger 11/2009


Presse: Bist du Deutschland?

Es ging um Heimat, Religion und Traditionen. Dass da der Schweizer Streit um Minarette nicht fehlen durfte, versteht sich fast von selbst. Die Schüler des Grundkurses Deutsch der Jahrgangsstufe 12 am Emil-Fischer-Gymnasium brachten die Argumente für und wider den Minaretten-Bau auf die Bühne.
In kurzen, knappen Statements machten die Pennäler unterschiedliche Positionen klar. So waren die Fürsprecher der Überzeugung, jeder dürfe seine Religion ausleben, solange er anderen damit nicht schade. Dem wurde mit dem Argument widersprochen, dass in islamischen Ländern der Kirchenbau auch nicht erwünscht sei.
Drei Tage lang hatten sich die Schüler in einem Workshop Gedanken über das Thema Bist Du Deutschland? gemacht. Sie hatten Texte erarbeitet, in denen das "Fremdsein" aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde. Sie spielten eine kurze Szene über Ausländerfeindlichkeit und gaben die unterschiedlichsten Meinungen zum möglichen Bau von Minaretten in prägnanten Sätzen wider.
"Gerade zu diesem Thema hatten wir im Vorfeld unter den Workshop-Teilnehmern eine anonyme Umfrage gemacht, wer für oder gegen den Bau von Minaretten ist und fragten auch nach der entsprechenden Begründung", berichtet Workshopleiter Andreas Schmid, Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge aus Köln…Allerdings musste sich niemand als Befürworter oder Gegner outen", so der Workshop-Leiter. Da die Abstimmung anonym gewesen sei, wurden die Begründungen in einen Topf geschmissen. Jeder Schüler habe einen Zettel gezogen und musste dann die darauf vertretene Meinung auf der Bühne präsentieren. Interessante Einblicke vermittelten auch die unterschiedlichen, von den Schülern vorgetragenen Gefühle der Fremdheit und die damit oft verbundene Einsamkeit der Menschen. Einige Jugendliche erinnerte das an die Klassenfahrt. Denn auch dabei muss das vertraute Umfeld und die Familie verlassen werden...
Kölnische Rundschau 16.1.2010

In dem dreitägigen Workshop, der diese Woche über die Bühne ging, wurde nicht nur Schauspielern geübt. Das Programm umfasste auch Spiele und Gespräche, die verschiedene Blickwinkel auf das Thema Deutschland zuließen. "Der Workshop behandelt Rassismus in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund", erzählte Schmid.
In einer Vorbesprechung hatte er die Schüler aufzählen lassen, welche Rituale für sie mit Weihnachten zusammenhängen. Da in dem Kursus neben Christen auch Muslime und eine Buddhistin sitzen, kamen ganz unterschiedliche Gebräuche zur Sprache. "Über die Identitätsfrage nähern wir uns dann der Rassismusfrage", erläutert Schmid den Hintergedanken des Workshops. Die 24 Teilnehmer des Kurses, die am Mittwoch zum Abschluss ihren Mitschülern eine kurze Vorstellung präsentierten, waren sehr angetan von der Arbeit.

Sie lernten nicht nur den Einsatz von Körpersprache auf der Bühne, sondern auch einen offenen Umgang untereinander. In der Abschlusspräsentation trugen sie selbst erarbeitete Szenen und Gedanken vor zum Thema "Deutschland am Freitagabend und Montagmorgen". Unterschiedliche Weltsichten, Religionen sowie Gefühle von Heimat und Heimatlosigkeit wurden dabei gegenübergestellt. In einem zweiten Teil ging es um die Frage, ob in Deutschland Minarette gebaut werden sollten. Vor dem Workshop hatte jeder eine Meinung dazu auf einen Zettel geschrieben. Auf der Bühne musste nun jemand anderes besagte Meinung vertreten und dabei die gelernte Körpersprache einsetzen.
Kölner Stadtanzeiger 15.01.10

…Denn die Lage dieses Juden, das dämmert vor allem Jugendlichen aus Einwandererfamilien im anschließenden Workshop, entspricht in vielen Punkten ihrer eigenen. "Ich fühle mich wie Goldfarb. Seit Generationen wird so getan, als ob wir in Deutschland zu Besuch sind", sagt eine türkischstämmige Schülerin. Für eine andere ist "die Religion auch der letzte Ausweg um Halt zu finden". Immer mutiger reden die Schüler über Vorurteile, berichten von bedrückenden diskriminierenden Erfahrungen, behutsam gelenkt von Schmid.
Kölner Stadtanzeiger 9.11.09